Hepatitis B ist eine Infektionskrankheit, die durch das Hepatitis-B-Virus (HBV) verursacht wird und hauptsächlich die Leber betrifft. Sie kann zu akuten oder chronischen Erkrankungen führen und ist weltweit verbreitet.
Während sich die meisten Erwachsenen von einer akuten Hepatitis B-Infektion vollständig erholen und eine lebenslange Immunität entwickeln, kann die Infektion bei einem kleinen Prozentsatz chronisch werden, was bedeutet, dass das Virus dauerhaft im Körper bleibt. Chronische Hepatitis B kann zu schweren Lebererkrankungen wie Leberzirrhose und Leberkrebs führen.
Prävalenz (Häufigkeit)
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass im Jahr 2019 weltweit etwa 296 Millionen Menschen mit einer chronischen Hepatitis-B-Infektion lebten und jährlich 1,5 Millionen neue Infektionen auftraten. Hepatitis B führte 2019 zu geschätzten 820.000 Todesfällen, hauptsächlich aufgrund von Leberzirrhose und hepatozellulärem Karzinom (primärem Leberkrebs). Die WHO hebt hervor, dass Hepatitis B durch sichere, verfügbare und wirksame Impfstoffe verhindert werden kann
Das Centers for Disease Control and Prevention (CDC) betont ebenfalls, dass Hepatitis B und C lebenslange Infektionen verursachen können, wobei Hepatitis B mit einem verfügbaren Impfstoff verhindert werden kann. Weltweite Anstrengungen zur Erhöhung der Impfraten gegen Hepatitis B haben zu einer dramatischen Reduzierung der Anzahl neuer HBV-Infektionen geführt. Im Jahr 2020 lag die globale Impfabdeckung mit drei Dosen des Hepatitis-B-Impfstoffs bei 83%, und 42% der Kinder erhielten eine Dosis bei der Geburt, was für die Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung dieser Infektion notwendig ist.
Ansteckung mit Hepatitis B
Die Übertragung des Virus erfolgt durch Kontakt mit infizierten Körperflüssigkeiten, wie Blut, Samenflüssigkeit und Vaginalsekret, was auf verschiedene Weisen geschehen kann, darunter:
- Mutter-zu-Kind-Übertragung bei der Geburt,
- Ungeschützter Geschlechtsverkehr mit einer infizierten Person,
- Teilen von Nadeln oder Spritzen bei Drogenkonsum,
- Verwendung nicht sterilisierter Instrumente bei medizinischen oder kosmetischen Eingriffen (z.B. Tätowierungen, Piercings),
- Direkter Kontakt mit dem Blut oder offenen Wunden einer infizierten Person.
Symptome und Verlauf
Die Symptome einer akuten Hepatitis B-Infektion können leichte Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Bauchschmerzen, dunklen Urin, hellen Stuhl und Gelbsucht (Gelbfärbung der Haut und der Augen) umfassen. Viele Menschen, besonders Kinder, entwickeln jedoch keine erkennbaren Symptome.
Der Verlauf von Hepatitis B variiert erheblich zwischen den Betroffenen und kann von einer leichten Form, die kaum Symptome verursacht, bis hin zu schweren chronischen Zuständen reichen, die langfristige Gesundheitsprobleme nach sich ziehen. Die Krankheit durchläuft typischerweise mehrere Phasen:
Akute Infektionsphase
- Inkubationszeit: Nach der Ansteckung mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) dauert es im Durchschnitt 1 bis 4 Monate (manchmal bis zu 6 Monate), bis Symptome auftreten.
- Symptome: Viele Personen, insbesondere jüngere Kinder, zeigen keine oder nur milde Symptome. Wenn Symptome auftreten, können diese Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, leichtes Fieber, dunklen Urin, hellen Stuhl und Gelbsucht (Gelbfärbung der Haut und Augen) umfassen.
- Dauer: Die akute Phase dauert in der Regel einige Wochen bis zu einigen Monaten. Die meisten gesunden Erwachsenen (etwa 90-95%) erholen sich vollständig von einer Hepatitis-B-Infektion und entwickeln eine lebenslange Immunität.
Erholungsphase
- Symptome Rückgang: Bei Personen, die sich von einer akuten Hepatitis B erholen, beginnen die Symptome allmählich zu verschwinden.
- Viruseliminierung: Das Immunsystem bekämpft das Virus erfolgreich, und die Viruslast im Blut nimmt ab, bis das Virus nicht mehr nachweisbar ist.
Chronische Hepatitis B
- Definition: Eine Hepatitis-B-Infektion wird als chronisch betrachtet, wenn das Virus länger als sechs Monate im Körper verbleibt. Dies geschieht bei etwa 5-10% der infizierten Erwachsenen, bei bis zu 50% der Kinder, die im Alter von 1 bis 5 Jahren infiziert werden, und bei 90% der bei der Geburt infizierten Neugeborenen.
- Verlauf: Chronische Hepatitis B kann asymptomatisch sein oder langsam fortschreiten und im Laufe der Zeit zu schweren Lebererkrankungen wie Leberzirrhose oder Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom) führen.
- Management: Personen mit chronischer Hepatitis B benötigen regelmäßige medizinische Überwachung, um den Zustand ihrer Leber zu überwachen und ggf. eine antivirale Therapie zu beginnen, die die Virusvermehrung unterdrücken und die Progression der Lebererkrankung verlangsamen kann.
Risikofaktoren für eine chronische Infektion:
- Alter bei Infektion: Je jünger die Person bei der Infektion, desto höher ist das Risiko für eine chronische Erkrankung.
- Immunsystem: Ein geschwächtes Immunsystem kann das Risiko für eine chronische Hepatitis B erhöhen.
Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch Bluttests, die das Vorhandensein des Hepatitis-B-Virus oder von Antikörpern gegen das Virus nachweisen. Für Menschen mit Hepatitis B gibt es antivirale Medikamente, die den Verlauf der Krankheit beeinflussen und das Risiko von Komplikationen reduzieren können, aber viele Menschen benötigen keine Behandlung und sollten stattdessen regelmäßig auf Anzeichen von Leberschäden untersucht werden.
Impfung gegen Hepatitis B
Die Impfung gegen Hepatitis B erfolgt durch die Verabreichung eines rekombinanten Impfstoffs, der speziell entwickelte Proteine des Hepatitis-B-Virus enthält, um das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern gegen das Virus zu stimulieren. Diese Antikörper bieten Schutz vor einer Infektion. Die Hepatitis-B-Impfung ist für Menschen jeden Alters empfohlen und ist Teil der Routineimpfpläne für Neugeborene und Kinder in vielen Ländern. Die Standardimpfserie umfasst mehrere Dosen, um einen langfristigen Schutz zu gewährleisten:
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Erste Dosis: In der Regel wird die erste Dosis des Hepatitis-B-Impfstoffs kurz nach der Geburt verabreicht, oft innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt. Diese frühzeitige Impfung ist besonders wichtig, um die Mutter-zu-Kind-Übertragung des Virus zu verhindern.
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Zweite Dosis: Die zweite Dosis folgt üblicherweise im Alter von einem bis zwei Monaten.
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Dritte Dosis: Eine dritte Dosis wird meist im Alter von sechs Monaten verabreicht. Der genaue Zeitplan kann je nach Land und verwendetem Impfstoff variieren.
Für Personen, die nicht als Neugeborene geimpft wurden, wird eine ähnliche Impfserie empfohlen, die in jedem Alter beginnen kann. Es gibt auch beschleunigte Impfpläne, bei denen die Dosen in kürzeren Abständen verabreicht werden, sowie Pläne mit einer zusätzlichen vierten Dosis für bestimmte Bevölkerungsgruppen oder Umstände, die einen erhöhten Schutz erforderlich machen.
Der Hepatitis-B-Impfstoff ist sehr effektiv und bietet bei den meisten Menschen, die den vollständigen Impfzyklus durchlaufen, mehr als 90% Schutz gegen die Infektion. Der Schutz hält mindestens 20 Jahre an und vermutlich ein Leben lang. Regelmäßige Auffrischungsimpfungen sind für die allgemeine Bevölkerung nicht notwendig, können aber für bestimmte Risikogruppen empfohlen werden.
Die Hepatitis-B-Impfung wird insbesondere empfohlen für:
- Neugeborene und Kinder,
- Gesundheits- und medizinisches Personal,
- Personen mit häufigem Kontakt zu Blut oder Körperflüssigkeiten,
- Personen mit einem erhöhten Risiko durch sexuelle Aktivitäten,
- Personen, die Drogen injizieren,
- Menschen, die in oder reisen zu Regionen mit hoher Hepatitis-B-Prävalenz,
- Personen mit chronischen Lebererkrankungen oder HIV.
Nebenwirkungen der Hepatitis-B-Impfung sind in der Regel mild und kurzlebig. Dazu können Schmerzen an der Injektionsstelle, leichte Fieberreaktionen oder Müdigkeit gehören.



